Einleitung
Wenn man Männer funktional definieren
will, dann landet man an dem Punkt, dass Männer Regeltiere sind.
Jeder Mann, oder fast jeder, hat ein umfangreiches und teilweise sehr
komplexes Regelsystem verinnerlicht, internalisiert, dem er folgt.
Diese Regeln müssen nicht unbedingt in sich schlüssig, rational,
logisch, wirtschaftlich oder sonst etwas sein. Wichtig ist, dass
diese Regeln vorhanden sind und dass ein Mann diesen Regeln folgt.
Woher kommen diese Regeln? Diese Regeln
nehmen wir meist unbewusst durch Imitation aus unserem Elternhaus
auf. An der Stelle wird es ein bisschen perfide. Auch wenn wir uns
dieser Regeln in uns nicht bewusst sind, sie vielleicht gar nicht für
richtig halten, müssen wir ihnen folgen. Wir wissen zwar nicht, dass
wir es tun, aber wir tun es. Weitere Regeln stülpt uns dann die
Gesellschaft über.
In der Pubertät versuchen wir dann
diese bewussten und unbewussten Regeln abzustreifen und ihnen nicht
zu folgen. Das ist dann so eine Art Gummibandeffekt. Je stärker man
zieht, desto stärker zieht es einen zurück. In höherem Lebensalter
stellt so mancher Mann fest, dass er genau so ist, wie sein Vater,
wenn denn einer da war. Man folgt den gleichen Regeln.
Ohne jetzt einen großen
Psychologievortrag halten zu wollen, gibt es eine Studie, die
frappierend ist. Man hat Männern eine gewisse Anzahl an
Handlungsszenarien vorgestellt und hat sie gebeten zu bewerten wie
schlecht und verderblich diese Handlungen sind. Darunter waren
Anwendung von Gewalt, Mord und Totschlag und solche Dinge und das Betrügen bei einem Kartenspiel.
Es kam dann heraus, dass Männer Mord
und Totschlag, Gewalt usw. weniger verwerflich und weniger schlimm
fanden als das Betrügen beim Kartenspiel. Warum? Beim Spielen zu
betrügen verstößt gegen die Regel. Und gegen Regeln verstößt ein
Mann nicht.
Nun könnte man einwenden, dass auch
Mord gegen eine Regel verstößt, aber das ist nicht die Regel, die
die Männer internalisiert hatten. Regelsysteme bei Männern können
durchaus unterschiedlich sein. Je nach Herkunft und Sozialisation
sind es vielleicht die Regeln der Straße. Selbst im organisierten
Verbrechen, bei der Mafia oder Rockerbanden oder so, gibt es bei
scheinbarer Regel- und Gesetzlosigkeit, ganz eiserne Regeln, die man
zu befolgen hat. Wenn man das nicht tut, bezahlt man unter Umständen
mit seinem Leben.
Also Männer können durchaus
unterschiedliche Regeln internalisieren, sie müssen nicht rational
oder ethisch sein oder mit dem Gesetz in Einklang stehen, aber sie
sind da. Im Mittel, statistisch gesehen, dürfte es da bei vielen
Männern große Schnittmengen geben.
Manche von diesen Regeln können auch
völlig albern sein, wie etwa dass man am Stammtisch dreckige Witze
erzählt oder neuerdings schlüpfrige Bilder auf dem Smartphone
herumzeigt.
Die Regeln sind das, was einem Mann
Orientierung verleiht. Das kann man auch an tagespolitischen
Ereignissen beobachten. Die AfD beispielsweise wird mehrheitlich von
Männern gewählt, weil die AfD auf Regelversöße hinweist. „Da
übertreten Flüchtlinge massenhaft unsere Grenzen!“, das verstößt
gegen eine Regel. Das geht nicht.
Männer, Trennungen und Regeln
Kommen wir nun zum eigentlichen Thema
der Veranstaltung: der Trennung. Männer fallen bei Trennungen und
Scheidungen aus allen Wolken. Sie sind völlig überrascht und
überrumpelt und können es gar nicht fassen.
Das ist eigentlich unlogisch. Jede
zweite Ehe wird geschieden. Im Freundeskreis lässt man sich scheiden
ebenso wie in der Verwandtschaft. Demnach könnte man durch
Beobachtung und Statistik eigentlich darauf vorbereitet sein, dass es
einen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit selbst trifft.
Meistens kündigt sich eine Trennung
auch innerhalb der Beziehung an. Man hat sich nichts zu sagen,
streitet häufiger, der Sex wird weniger und irgendwie ist jeder
unzufrieden. Irgendwann dämmert es sogar Männern, dass da
irgendetwas nicht stimmt. Und während der Mann noch darüber
nachdenkt, was denn nicht stimmen könnte und was man denn dagegen
machen könnte, stellt ihn die Frau vor vollendete Tatsachen.
Und selbst jetzt fällt der Mann immer
noch aus allen Wolken, obwohl er die Schieflage in der Beziehung
selbst gespürt hat. Männer sagen dann so Dinge wie, dass man daran
arbeiten könne und überhaupt.
Also bei klarer Faktenlage und sehenden Auges
fällt der durchschnittliche Mann immer noch aus allen Wolken. Das
geht einfach nicht in seinen Kopf. Warum? Weil es gegen seine Regeln
verstößt. Und das geht nicht.
Er hat doch immer nach den Regeln
gespielt. Er ist arbeiten gegangen, hat die Familie ernährt, Urlaube
ermöglicht, ein Haus hingestellt und zwei Autos vor die Garage, hat
Überstunden gemacht, um alles zu finanzieren, vielleicht noch
nebenbei Schwarz gearbeitet, um genug Kohle ranzuschaffen, und im
eigenen Haus in der noch verbliebenen Freizeit mitgemauert und die
Fliesen im Bad verlegt.
Auch für die Kinder hat er alles
getan. Er hat dem Sohn Fahrradfahren beigebracht und mit ihm Fußball
gespielt. Er hat bei den Hausaufgaben geholfen und auch bei der
Hausarbeit mitgemacht. Er hat den Rasen gemäht und die Hecke
geschnitten und was sonst noch alles.
Kurz er hat alle Regeln befolgt, die
ihm von seiner Familie und der Gesellschaft vermittelt wurden, und
alle an ihn gestellte Anforderungen erfüllt. Und auch mit der Frau war das ja alles so vereinbart. Gut, vielleicht ist er
mal fremdgegangen und hat es manchmal mit dem Alkohol übertrieben,
aber abgesehen davon: völlig weiße Weste.
Deshalb leuchtet ihm das Ganze nicht
ein und deshalb will ihm nicht in den Kopf, warum in aller Welt man
sich gerade von ihm scheiden lassen will.
Er hat die Regeln befolgt und dafür
wird man belohnt, oder nicht? So hat er es gelernt.
Frauen, Trennungen und Regeln
Wenn man mal die durchschnittliche
geschiedene oder getrennte Frau befragt, woran die Beziehung oder
die Ehe gescheitert ist und warum sie die Beziehung oder Ehe
beendete, was ich häufig mache, dann kommen bei einigen vielleicht
erst oberflächliche und vorgeschobene Gründe. Aber letztendlich
landet man an einem Punkt, an dem die Frau sagt, dass sie sich nicht
gesehen fühlte, dass sie sich als Selbsverständlichkeit empfand und
dass sie nicht mehr als Frau mit ihren Bedürfnissen wahrgenommen
fühlte.
Wir sehen also, dass der Trennungsgrund
bei Frauen weniger darin liegt, dass der Mann die Regeln, die ihn so
sehr bewegen, nicht eingehalten hat. Keine Frau lässt sich scheiden,
weil der Mann nicht regelmäßig den Rasen mäht. Vielleicht trennt
sie sich, wenn er fremdgeht, aber häufig auch nicht. Solange die
Frau sich mit dem Mann als Frau gut fühlt, kann er fremdgehen, dass
die Schwarte kracht, er kann arm sein oder ungebildet. Das spielt
keine Rolle.
Frauen geht es wenig bis gar nicht um
Regeln und sie leben auch nicht nach Regeln. Sie brauchen sie nicht
zur Orientierung. Einer Frau geht es einzig und allein darum, dass
sie sich gut fühlt. Sie will sich mit ihrem Mann gut fühlen, sich
als Frau gut fühlen und sich mit ihrem Leben gut fühlen. Das ist im
Prinzip alles. Damit ist das rätselhafte weibliche Wesen
entschlüsselt. Mehr muss man im Prinzip und im Grundsatz nicht über
Frauen wissen.
Womit, oder besser gesagt mit wem, sich
Frauen wohl und gut fühlen ist dann ähnlich variabel wie es die
verschiedenen Regelsysteme der Männer sind.
Der Punkt ist: Wenn sich eine Frau mit
einem Mann nicht mehr gut fühlt und sich, subjektiv, von ihm nicht
mehr gut behandelt fühlt, dann geht sie oder sie treibt den Mann so
sehr in den Wahnsinn oder zur Weißglut, dass er geht. Mit
irgendwelchen Regeln hat das Ganze nichts zu tun.
Das ist im männlichen System nicht
unbedingt logisch. Daher wirken Frauen auf uns Männer häufig,
kindlich, sprunghaft und unberechenbar. Aber das ist eben ihre Natur.
Frauen leben eher im Hier und Jetzt gesteuert von Emotion und
Intuition, während Männer meistens in der Zukunft leben, gesteuert
von, scheinbarer, Rationalität. Deshalb landen Frauen auch
tendentiell häufiger in Altersarmut, weil sie sich über solche
zukünftigen Dinge keinen Kopf machen. Und auch wenn sie sich einen
Kopf machen, hat das bei ihnen nicht wirklich Priorität.
Man hat in der oben genannten Studie
auch Frauen die selben Szenarien vorgelegt. Es stellte sich heraus,
dass Frauen Dinge wie Mord und Gewalt als ganz schlimm und
verwerflich bewertet haben. Das Betrügen in einem Kartenspiel eher
nicht. Die Reaktion ging eher in Richtung „so what?!“ und „Was
soll's?!“
Also, Frauen scheren sich nicht so sehr
um Regeln. Auch das kann man in der großen Politik an unserer ewigen
Kanzlerin ganz symptomatisch feststellen. Heute Atomkraft und morgen
Ausstieg aus der Atomkraft. Heute Wehrpflicht und morgen nicht. Und
viele weitere Themen mehr. Ein Mann würde nur schwerlich auf solche
Ideen kommen. Entweder er ist gegen Atomkraft oder dafür oder gegen
Wehrpflicht oder dafür. Das ist dann eben seine Regel.
Frau Merkel ist mit solchen Regeln
nicht belastet und kann daher freischwingend mit ihren Positionen
changieren. Insbesondere Männer haben logischer Weise so ihre
Probleme mit dieser Politik.
Insofern macht es auch keinen Sinn mit
Frauen Diskussionen zu führen á la „Vor zwei Jahren hast du aber
gesagt...“. Bei besonders weiblichen Exemplaren lohnt schon die
Diskussion darüber nicht, was sie gestern sagte.
Frauen kennen diese Art der (Regel-)
Verbindlichkeit nicht. Das weibliche Wort ist sozusagen „Dust in
the Wind“.
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