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Der Untergang ist nahe I

Um die schlechte Nachricht vorwegzunehmen: Ihr seid bald alle arbeitslos! Und wahrscheinlich auch arm. Für diejenigen, die es bis jetzt noch nicht gewusst oder verdrängt haben: wir steueren auf eine Massenarbeitslosigkeit zu wie es sie seit der Industrialisierung nicht gegeben hat. In den Mainstreammedien und in der Politik ist es noch nicht angekommen, aber es ist so.

In meiner Stadt gab es bis vor relativ kurzen noch vier, fünf oder sechs Filialen meiner Bank. Die wurden kürzlich alle geschlossen. Übrig geblieben ist die Hauptstelle. Wer oder was ist die Ursache? Ganz einfach: die Digitalisierung.

Ich kann via Onlinebanking alles machen, was früher der Mensch am Bankschalter gemacht hat. Ich kann

  • Überweisungen machen
  • Daueraufträge einrichten
  • Lastschriften zurückgehen lassen
  • Orders platzieren
  • Depots einrichten
  • usw.

Das einzige was ich von zu Hause aus nicht kann, ist Bargeld einzahlen oder abheben. Aber dafür gibt es Automaten. Im Prinzip und die meiste Zeit braucht keine Sau mehr den Bankangestellten am Schalter. Selbst Kleinkredite kann man heutzutage überwiegend online abwickeln.

Das ganze führt zu zwei Ergebnissen

  1. Zu einer Horde verbitterter Rentner
  2. Zur Schließung von Bankfilialen.

Wenn tatsächlich einmal in den Medien, und da rede ich überwiegend von Blogs oder Youtubeformaten, ein Politiker oder Pseudoexperte mit den eklatanten Folgen der Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert wird, dann antwortet er etwa Folgendes: „Dafür entstehen mit der Digitalisierung neue Arbeitsplätze“

Geneigte Zuschauer, Leser oder Hörer wie ich fragen sich dann unvermittelt wo das wohl sein wird oder soll und was für Arbeitsplätze das wohl sein werden oder sollen.

Bleiben wir bei meinen Bankfilialen. Machen die überschüssigen und überflüssig gewordenen Filialmitarbeiter jetzt hochkomplizierte Warentermingeschäfte an der Börse von Shanghai? Programmieren die Bankapps? Oder entwickeln die in einer internen Forschungsgruppe Fintechprodukte?

Nein, deren Ärsche sind schlicht und ergreifend arbeitslos! Nun hält sich das Mitleid mit Bänkern bei den meisten Leuten in Grenzen, aber leider betrifft das nicht nur Banken. Nicht wenige Branchen werden das gleiche Schicksal erleiden und nicht irgendwann einmal in der Zukunft sondern bald. In einigen Branchen reden wir von einem Zeitfenster der nächsten drei bis fünf Jahren, wenn es überhaupt noch so lange dauert.

Natürlich wird es auch neue und andere Jobs geben, aber bei weitem nicht so viele um diesen Kahlschlag, den es geben wird, zu kompensieren. Zudem werden diese neuen Jobs nur höchstgebildeten und höchstspezialisierten zur Verfügung stehen.

Ich arbeite unter Anderem als Werbetexter und komme daher regelmäßig mit neuen Technologien und Entwicklungen in Kontakt und kann nur sagen, dass einem da zuweilen die Kinnlade herunterfällt angesichts dessen, was heute schon möchlich ist.

Ein kleines Beispiel. Schon jetzt ist es in vielen Branchen möglich, ganze Fabriken und Produktionsbetriebe im Pinzip ohne menschliche Beteiligung laufen zu lassen. Da wo sich früher vielleicht 200 Arbeiter in der Werkshalle getummelt haben, braucht es pro Schicht nur noch einen, der Hard- und Software überwacht.

Wenn etwas nicht funktioniert wie es soll, bekommt der Überwachungsmensch eine Pushnachricht auf sein Smartphone. Dann kann er es beheben oder nicht. Wenn nicht, dann lässt er sich per Videokonferenz von einem Techniker, der Herstellerfirma anleiten.

Wem das nicht futuristisch genug ist, der ersetzt das Smartphone durch eine VR-Brille, Stichwort google glasses.

Das ist alles schon heute Realität. Und das betrifft nicht nur die Produktion sondern auch die Logistik. Ganze Lager können ohne menschliche Beteiligung bewirtschaftet werden.

Dagegen ist die Automatisierungs- und Robotikrevolution der 80er gar nichts. Schnittstellen zwischen Soft- und Hardware ermöglichen es.


Schon heute

Man soll nicht ständig von sich auf andere schließen, aber ich versuche es einmal. Wenn ich ein juristisches oder medizinisches Problem habe oder sich ein solches Problem andeutet oder es sich zumindest entfernt um ein solches Problem handeln könnte, was mache ich dann?

Ich google erst einmal! In 98% der Fälle hat sich das Problem damit schon erledigt. Ich habe das letzte Mal eine medizinische Einrichtung von innen gesehen, als mein Sohn geboren wurde und das war vor über sieben Jahren.

Wenn es um juristische Probleme geht, weiß ich berufsbedingt die Antwort schon und wenn nicht google ich eben. Je nach Quellenlage oder Komplexität des Problems ist damit die Sache in 5-30 Minuten erledigt. Da komme ich so gut wie nie in die Verlegenheit mein Geld einem Anwalt in den Rachen zu werfen.

Und das selbe gilt für jedes auftauchende andere Problem auch. Wenn meine Toilette verstopft ist, google ich erst einmal. Dann sehe ich mir vielleicht ein Youtubevideo an und in den meisten Fällen ist das Problem damit gelöst. Dafür bezahle ich keinen Klempner.

Wenn ich etwas Bestimmtes, vielleicht exotisches und nicht alltägliches, essen möchte und gleichzeitig nicht die Lust oder die Möglichkeit habe, dafür übermäßig Geld auszugeben, dann google ich das Rezept. Pekingente meinetwegen.

Wenn ich meinem Sohn ein schönes Geburtstagsgeschenk machen will, muss ich nicht den Fachhandel bemühen sondern bestelle es einfach online. Das ist in der Regel auch zehn bis zwanzig Prozent preiswerter.

In anderen Worten: Der Zugang zu nahezu unbeschränkten Informationen, erspart doch in der Vielzahl der Fälle die Konsultation oder die Beauftragung von Spezialisten oder Fachpersonal. Ich habe keine Zahlen dazu zur Hand, aber das dürfte sich alles in Allem in Millionen Arbeitplätzen niederschlagen.

Dies betrifft auch die Medien. Die Auflage der Bildzeitung hat sich in den letzen Jahren halbiert, wie ich höre. Immer weniger Menschen lesen physische Papierzeitungen. Immer einfacher ist es möglich über Blogs oder Youtubekanäle Medienformate zu gestalten. Schlechte Nachrichten für Setzer, Mitarbeiter im Druck, Austräger, Kameraleute, Redakteure usw.


Die nächsten fünf Jahre

In den nächsten fünf Jahren wird nahezu jeder, der mit Administration und Buchhaltung sein Geld verdient, arbeitslos werden - also Daten erfassen, Daten formatieren, Daten übertragen, Buchhaltung. Das trifft vor allem Arbeitsplätze in Banken, Versicherungen, Konzernen und großen Unternehmen.

Dass jemand in Zukunft eine Bestellung aufnimmt, jemand anderes die Bestellung verwaltet und wieder jemand anderes die Bestellung ins Lager trägt, wird es in Zukunft nicht mehr geben. Naja, gibt es heute schon nicht mehr, aber um der Verdeutlichung willen.

Ebenso wenig wird jemand in Zukunft händisch einen Stundenzettel ausfüllen, jemand anderes die Daten in eine Buchhaltungssoftware einpflegen und jemand Drittes die Überweisung auslösen. Auch das gibt es heute nur noch in Einzelfällen.

Kurzum: Solche Dinge lassen sich komplett automatisieren und alle Arbeitsplätze, die daran hängen, dass Informationen, Akten oder sonstiges von A nach B getragen oder transferriert werden, fallen in baldigster Zukunft weg.

Das wird auch einen nicht unbeachtlichen Teil der Arbeit von Steuerberatern in Bezug auf Lohnbuchhaltung überflüssig machen.

Hat jemand schon einmal etwas von einem 3D-Drucker gehört? Falls nicht, ein 3D-Drucker kann Dinge aus softwarebasierten Entwürfen, Planskizzen usw. direkt herstellen. Also alles, was sich an Softwareprogrammen wie etwa CAD entwickeln lässt, wird von diesem 3D-Drucker direkt hergestellt.

Diese schlichte Tatsache macht zum Beispiel jeden Zahntechniker in naher und nächster Zukunft arbeitslos. Da muss niemand mehr stundenlang an Zahnersatz herumfräsen und -feilen. Das kommt einfach aus dem 3D-Ding.

In modernen Zahnarztpraxen wird, zumindest provisorischer Zahnersatz, ad hoc durch solche Dinger „am Stuhl“ hergestellt.

Damit ist jeder, der Modelle, in welcher Branche auch immer, händisch herstellt, arbeitslos. Vielleicht nicht morgen, aber in den nächsten fünf Jahren. Wer sich also in solchen Berufen wiederfindet sollte ganz schleunigst umschulen oder sich nach einer Alternative umschauen. Am besten schon gestern!

Die nächsten zehn Jahre

Schon einmal etwas vom selbstfahrenden Auto gehört? Wahrscheinlich schon. Nun stell dir einmal einen selbsfahrenden Bus vor oder eine selbstfahrende Lok oder einen selbstfahrenden LKW vor.

Hin und wieder fahre ich in Hamburg S-Bahn. Und hin und wieder sitze ich im Triebfahrzeug direkt hinter dem Bahnführer und kann dann durch so ein oder zwei Fensterchen beobachten, was der so macht. Und jetzt kommt der Clou: Der macht gar nichts! Naja, so alle paar Minuten drückt der Mal einen Knopf, aber das war es dann auch schon.

Nach meinem Eindruck ist der schon mehr Fassade und Staffage als alles Andere. Wahrscheinlich sitzt der da nur zur Beruhigung der Fahrgäste. Die deutsche Bahn will glaube ich bis zum Jahr 2021 selbstfahrende Züge auf den Weg bringen. Bis jede Bahn, die irgendwo fährt ohne Mensch betrieben wird, sind zehn Jahre wohl ein realistischer Zeitraum.

Wer also Fahrzeuge, welche auch immer, führt, sollte sich auch schon einmal gemächlich, ohne Panik und ohne allzu hektisch zu werden, nach einer anderen Tätigkeit umschauen.

Ich sprach weiter oben vom Handel. Schon jetzt geht vieles Online, das wird sich in Zukunft weiter verstärken. Schon jetzt versuchen sich Unternehmen auf dem Markt zu etablieren, die Lebensmittel auf Onlinebestellung nach Hause liefern. Ich selbst habe vor ein paar Tagen die Probelieferung eines Onlinebäckers, geordert.

Noch ist das Ganze ein bisschen teuer, aber das wird sich ändern. Und mal ehrlich: Wer steht schon gerne im Supermarkt Schlange? In nicht allzu ferner Zukunft bekommen wir unsere Einkäufe nach der Onlinebestellung mit der Flugdrohne geliefert. Vielleicht bepackt diese Flugdrone noch ein Mensch, vielleicht aber auch nicht.

Kassierer oder Kassiererinnen wird da kein Mensch mehr brauchen oder nur noch wenige in ausgewählten Läden ebenso wie Einzelhandelsverkäufer oder Regalbestücker.

Wie bereits ausgeführt werden auch in der Produktion und Lagerhaltung nicht mehr viele Arbeitsplätze zu finden sein: digitalisiert, automatisiert, weg.

Sicherlich wird es eine Zeit brauchen, bis Unternehmen flächendeckend in die Ohne-Mensch-Technologien investiert haben und sicherlich wird es auch Branchen geben, wo händisch und menschlich kontrolliert nachgearbeitet werden muss. Aber der Verlust an Arbeitsplätzen dennoch wird gigantisch sein.

Hier in Deutschland wird es kaum noch die Konstellation geben, dass menschliche Arbeit billiger ist, als digitale und automatisierte. In der Folge wird ein sehr großer Teil, vor allem der wertschöpfenden Arbeit, digitalisiert und automatisiert werden oder im Zweifel in Ausland verlagert werden, wo die menschliche Arbeit billiger ist als die automatisierte, wie es bereits seit Jahrzehnten der Fall ist.

Einer prominenten Studie zu Folge werden 47% aller Arbeitsplätze in den nächsten ein bis zwei Jahrzenten wegfallen. Die Studie bezieht sich zwar auf die USA, dürfte aber durchaus auf die westliche Welt insgesamt übertragen lassen. Für 47% aller Arbeitnehmer dürfte es heißen, sich warm anziehen zu müssen.

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