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Konflikte bei der Übergabe des Kindes vermeiden I

Trennungen sind in vielen Fällen konfliktreich und führen auch bei der der Ausübung des Umgangsrechts zu vorhersehbaren Problemen. Daher sollte man diesen Problemen proaktiv und prophylaktisch aus dem Weg gehen, damit Eskalationen vermieden werden. Gerade für Väter ist das ein erstrebenswertes Ziel, weil sie in einer Eskalation von Konflikten nicht selten den Kürzeren ziehen und dann temporär oder endgültig auf ihr Kind oder ihre Kinder verzichten müssen.

Verhaltensregeln für die Übergabe

  • Keinerlei Konflikte vom Zaun brechen
  • Themen, die nichts mit der Übergabe zu tun haben, wie Unterhalt oder dergleichen ,haben in der Übergabesituation nichts zu suchen.
  • Provokationen der anderen Seite widerstehen oder abblocken und sich nicht auf Konflikte einlassen. Gespräche in einem anderen Rahmen und zu einer anderen Zeit anbieten. Im Zweifel umdrehen und wortlos gehen.
  • Dem Kind ein gutes Gefühl geben, indem man ihm viel Spaß und eine gute Zeit, einen schönen Urlaub wünscht.
  • Das Kind nicht mit den eigenen Emotionen belasten. Etwaiger Trennungsschmerz ist Sache der Eltern und nicht des Kindes. Rührselige und tränenreiche Abschiedsszenen sind unangebracht und verursachen beim Kind Schmerz bis hin zu Schuldgefühlen
  • Jedem Elternteil wird Zeit gegeben sich angemessen mit einer Umarmung oder einem Kuss und guten Wünschen zu verabschieden

Konfliktfeld Übergabe des Kindes

Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, aber die Praxis belehrt einen immer wieder eines Besseren: Streitigkeiten und Konflikte vor dem Kind oder im Beisein des Kindes ist ein absolutes Tabu!

Dennoch lassen viele Eltern keine Möglichkeit ungenutzt auch vor dem Kind oder im Beisein des Kindes Konflikte oder Streitigkeiten vom Zaun zu brechen oder auszutragen. Dieses Verhalten ist nicht gerade ein Ausweis von Erziehungsfähigkeit oder die Fähigkeit sich in die Bedürfnisse eines Kindes hineinzudenken und hineinzufühlen.

Kinder wollen nicht, dass sich ihre Eltern streiten. Dies gilt für intakte Elternbeziehungen als auch für Nachtrennungsbeziehungen von Eltern. Konflikte zwischen den Eltern sind für das Kind eine extreme Belastung, umso mehr je jünger das Kind ist. Außerdem besteht die Gefahr, dass das Kind sich gezwungen sieht Partei zu ergreifen bzw. die Erwatungshaltung eines Elternteils oder beider Elternteile spürt Partei zu ergreifen. Hierbei spricht man im Fachjargon von einem „Loyalitätskonflikt“

Die Übergabe im Rahmen von Umgangskontakten ist für viele Kinder bereits belastend genug, wenn sie spüren, dass es zwischen den Eltern massive Konflikte gibt. Diese Belastung wird noch erheblich erschwert, wenn Eltern bei der Übergabe Konflikte austragen.

Solche Konflikte eskalieren dann schnell zu einem Punkt, an dem ein Elternteil die Herausgabe des Kindes verweigert. Damit ist dann zunächst das Wochenende oder gar die Ferienzeit versaut. Sowohl für das Kind als auch für den umgangsberechtigten Elternteil. In schlimmeren Fällen kann es auch dazu führen, dass die Umgangsvereinbarung zu den eigenen Ungusten modifiziert, verändert wird, oder dass man sogar gänzlich sein Umgangsrecht einbüßt.

Ebenso wenig ist es angebracht, die Übergaben zu emotionalen und tränenreichen Abschiedsszenen und übertriebener Liebesbekundungen zu nutzen.

Tatsächlich ist es nämlich so, dass Richter oder Richterinnen und sonstige Beteiligte am familiengerichtlichen Verfahren in solchen Situationen wenig nachsichtig sind und das auch völlig zurecht.

Zeugen und anderer Bullshit

Gerade in Onlineforen, wo sich Väter oder Mütter gerne gegenseitig aus ihrem Frust und ihrer Wut heraus zum Konflikt und zur Eskalation anstacheln, liest man gerne so Lösungsvorschläge, dass man doch Zeugen zur Übergabe mitbringen solle, wenn es dabei Probleme gebe. Oder dass man die Übergabe mit dem Smartphone filmen solle oder zumindest Audioaufnahmen machen solle und andere Vorschläge dieses Kalibers. Dies alles soll dann dazu dienen, das Fehlverhalten des Anderen zu protokollieren, verwertbar und vor allem vorwerfbar zu machen. Wobei das dann wohl vor allem der eigenen psychischen und emotionalen Hygiene anstatt irgendeinen konstruktiven und zweckdienlichen Beitrag zu irgend etwas zu leisten.

Diese Vorschläge sind hervorragend, wenn man den Konflikt oder die Eskalation anheizen will. Es mag sein, dass manche daran ein Interesse haben. Letztlich kippt man dadurch nur Benzin ins Feuer. Denn durch solche Maßnahmen fühlt sich die andere Seite nur noch mehr bedroht, provoziert oder gerechtfertigt und wird seinerseits dann auch auf- und nachrüsten.

Die Folgen sind lediglich, dass man das Kind belastet und vor Gericht blöd dasteht, wenn man aus der Übergabesituation einen Massenauflauf von „Zeugen“ und Unterstützern macht, die dann vielleicht noch ihrerseits den Konflikt anheizen oder ein sonstiges unwürdiges Spektael macht.

Zeugen wofür? Vorm Familiengericht werden in aller Regel keine Zeugen gehört. Falls die Mutter oder der betreffende Elternteil etwa das Kind nicht herausgibt, wird das Gericht diesen Umstand auch so zur Kenntnis nehmen. Dazu braucht man keine Zeugen.

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